12. StummFilmMusikTage 2008


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Programm der 12. StummFilmMusikTage 2008

Ausstellungseröffnung: Japanische Stummfilmdiven

Wann?
Donnerstag, 24. Januar 2008, 19:00
Wo?
SiemensForum Erlangen, Werner-von-Siemens-Str. 50 (D-91052 )
 

Einführungsvortrag: Mariann Lewinsky, Autorin des Buches Die verrückte Seite

Das Mädchen Sumiko (Nani ga kanojo o sô saseta ka)

Wann?
Donnerstag, 24. Januar 2008, 20:30
Wo?
Vortragssaal der Siemens AG, Erlangen, Werner-von-Siemens-Str. 50 (D-91052 )
 

Japan 1930, 85 min, Regie: Shigeyoshi Suzuki

Musik: Günter A. Buchwald, Ausführung: Erlanger Musikinstitut

Sturm über Asien - Eine Einführung zur neuen Musikfassung

Wann?
Freitag, 25. Januar 2008, 18:00
Wo?
StummFilmMusikTage, Erlangen (D-91054)
 

Bernd Schultheis (Komponist) und Vera Zwetajewa (Cine-Club Wladimir, russische Partnerstadt Erlangens), moderiert von Nina Goslar (ZDF/ARTE).

Sturm über Asien

Wann?
Freitag, 25. Januar 2008, 19:00
Wo?
StummFilmMusikTage, Erlangen (D-91054)
 

UdSSR 1925 (Potomok Chengiskhan), 110 min Regie: Wsewolod Pudowkin

Uraufführung der Neukomposition von Bernd Schultheis, Ausführende: EnsembleKONTRASTE unter der Leitung von Frank Strobel.

Koproduktion mit ZDF/ARTE und dem Ensemble Kontraste

Einführung: Der Stummfilm in Japan

Wann?
Freitag, 25. Januar 2008, 21:00
Wo?
StummFilmMusikTage, Erlangen (D-91054)
 

Günter A. Buchwald führt in den japanischen Stummfilm ein.

Express 300 Meilen (Tokkyu Sanbyaku Ri)

Wann?
Freitag, 25. Januar 2008, 22:00
Wo?
StummFilmMusikTage, Erlangen (D-91054)
 

Japan 1929, 84 min. Regie: Genjiro Saegusa

Musik und Ausführung: Günter A. Buchwald

Die phantastischen Welten des Georges Méliès

Wann?
Samstag, 26. Januar 2008, 16:00
Wo?
StummFilmMusikTage, Erlangen (D-91054)
 

Kurzfilme, Frankreich 1896-1911, 60 min Regie: Georges Méliès

Musik und Ausführung: Yogo Pausch

Tabu: Einführung zu Film und Musik

Wann?
Samstag, 26. Januar 2008, 18:00
Wo?
StummFilmMusikTage, Erlangen (D-91054)
 

Violeta Dinescu (Komponistin)

Tabu

Wann?
Samstag, 26. Januar 2008, 19:00
Wo?
StummFilmMusikTage, Erlangen (D-91054)
 

USA 1931, R: F.W. Murnau Friedrich Wilhelm Murnau (USA 1925),

  • Weitere Links zum Thema Tabu im Open Directory Project
Aufführung der Neukomposition von Violeta Dinescu.

Ausführende: EnsembleKONTRASTE unter der Leitung von Frank Strobel.

Merian C. Cooper - Das Leben als Abenteuer, Ein biographischer Abriss

Wann?
Samstag, 26. Januar 2008, 21:00
Wo?
StummFilmMusikTage, Erlangen (D-91054)
 

Chang

Wann?
Samstag, 26. Januar 2008, 22:00
Wo?
StummFilmMusikTage, Erlangen (D-91054)
 

USA 1927, 69 min, Regie: Merian C. Cooper

Musik: Hildegard Pohl (Klavier), Yogo Pausch (Percussion).

Prem Sanyas/Die Leuchte Asiens

Wann?
Sonntag, 27. Januar 2008, 11:00
Wo?
StummFilmMusikTage, Erlangen (D-91054)
 

Indien/D 1925, 97 min Regie: Franz Osten

Musik und Ausführung: Om Prakash Pandey (Tabla), Henning Kirmse (Sitar)

Slapstick-Lunch

Wann?
Sonntag, 27. Januar 2008, 13:00
Wo?
StummFilmMusikTage, Erlangen (D-91054)
 

Zu Klaviermusik und Slapstick-Highlights wird ein asiatisches Drei-Gänge-Menü des rastaurants Grauer Wolf angeboten.

Der Kameramann

Wann?
Sonntag, 27. Januar 2008, 16:00
Wo?
StummFilmMusikTage, Erlangen (D-91054)
 

USA 1925 (The Cameraman), 75 min. Regie: Buster Keaton

Musk und Ausführung: Helmut Nieberle Quartet (Karsten Gnettner, Helmut Nieberle, Bob Rückert)

Lesung

Wann?
Sonntag, 27. Januar 2008, 18:00
Wo?
StummFilmMusikTage, Erlangen (D-91054)
 

Anna May Wong - der Großstadtschmetterling

Piccadilly

Wann?
Sonntag, 27. Januar 2008, 19:00
Wo?
StummFilmMusikTage, Erlangen (D-91054)
 

GB 1928, 110 min, Regie: E.A. Dupont

Musik: Frieder Egri, Roman Rothen, Ausführung: Frieder Egri & Ensemble

Festivalbericht

Da ich erst ab Freitag abend in Erlangen das Festival geniessen konnte, startet der Bericht erst mit Sturm über Asien

Sturm über Asien

Der Abend begann mit einem Podiumsgespäch mit Bernd Schultheis (Komponist) und Vera Zwetajewa (Cine-Club Wladimir, russische Partnerstadt Erlangens), moderiert von Nina Goslar (ZDF/ARTE).

Bernd Schultheis informierte über seine Komposition und seine Gedanken. Insbesondere beschrieb er seine Recherchen zu der Musik der tibetanisch-buddistischen Klöster, die damals noch das Leben in der Mongolei prägten. Er komponierte seine Musik mit vielen Anregungen der tibetanischen Musik. Ingesamt verwenedete er viele Musikzitate. Neben der tibetanischen Musik sind auch verschiedene Hmynen (Internationale, Zarenhymne, britische Nationalhymne). Am Ende Ende des Films würde man eine pathetische und dramatische Musik erwarten, er verzichtete allerdings im Wissen der weiteren Entwicklungen darauf.

Zum Film: Der Film spielt in Zentralasien während dem russischen Bürgerkrieg um 1918. Er zeigt, wie die Bevölkerung als Nomaden und Jäger lebt und von englischen Truppen unterdrückt wird (historisch nicht ganz korrekt, britische Truppen waren an den im Film beschriebenen Schlachten nicht beteiligt gewesen). Der im Mittelpunkt des Film stehende Jäger und Pelzhändler Bair kommt zwischen die Fronten der weißen Armee und der von der roten Armee unterstützten Partisanen. Am Ende erwachen bei den Ahnen Dschingis Khans der Wunsch nach einem Ende der Unterdrückung und es gibt einen Sturm über Asien.

Die neu komponierte Musik von Bern Schultheis erlebte in Erlangen seine Welturaufführung und wurde für eine Fernseh- und DVD-Fassung live in aufgenommen.

Anfangs war mir die Musik zu sehr einem tibetanischen Klang verpflichtet. Das besserte sich, als im Film Europäer kamen und die Musik europäischer wurde. Als dann später wieder tibetanische Motive kamen (für Ethnologen sehr interessante Szenen von buddhistischen Feiern und Tänzen) passte die Musik besser in das Stück. Gegen Ende steigert sich der Film zu einem dramaturgischen Höhepunkt und Knalleffekt am Ende, die Musik setzte einen Kontrapunkt und wurde ruhig. Insgesamt etwas ungewöhnlich aber zum Glück war man durch die Einführung vorbereitet. Am nächsten Tag hatte ich die Gelegenheit mit Kevin Brownlow über den Film zu reden. Er war gelinde gesagt etwas entsetzt über die Musik am Ende. Mit den Erklärungen vor dem Film (die er nicht kannte, da das Podiumsgespräch deutsch war) verstand er zwar die Beweggründe, aber ich glaube nicht das er sie gut fand.

Der Film soll am 30. Juni 2008 auf arte gezeigt werden, danach soll eine DVD bei absolutMedien erscheinen.

Express 300 Meilen

Am späteren Abend hält Günther Buchwald einen inzteressanten Vortrag zu Kino in Japan.

Die japanische Stummfilmperiode beginnt sehr früh 1895 mit der ersten Filmvorführung in Kobe und endet relativ spät 1935. Diese lange Stummfilmphase erklärt sich durch die Integration des Film in die japanische Theatertraditionen.

Leider sind nur wenige Filme erhalten, man schätzt das etwa 5% erhalten blieben. Da die Archive keine, oder nur wenig, staatliche Unterstützung erhalten und die Archive privatwirtschaftlich arbeiten müssen ist es teuer in Japan Filme auszuleihen - mit ein Grund, warum man selten japanische Stummfilme zu sehen bekommt.

Zum Film: Der Film berichtet von einem Lokführer Shigeru Mori, der heldenhaft den Zusammenstoß zweier Züge verhindert. Unter den vor dem Tode geretteten Passagieren ist auch eine Zirkusartistin Omiyo, die in der weiteren Handlung aus Verzeiflung Selbstmord begehen will und abermals von Shigeru gerettet wird. Die zwei verlieben sich, aber ihr Glück wird durch den sadistischen Zirkusdirektor, der Omiyo schon einmal zum Selbstmord trieb, gestört.

Eines Nachts ist Shigeru dann zwischen Pflichterfüllung und dem Wunsch seine Frau zu schützen hin und her gerissen, entscheidet sich dann aber für die Pflicht. Seine Frau erscheint ihm dann aber als Geist auf den Schienen und veranlasst ihn zu einer Notbremsung - zum Glück, den die Gleise auf der weiteren Strecke sind verschüttet.

Zurück zu Hause findet er dann aber nicht Omiyo, sondern den Zirkusdirektor...

Der Filmtitel Tokkyu Sanbyaku Ri heißt wörtlich übersetzt Express (Tokkyu) dreihundert (Sanbyaku) Ortschaften (Ri), wobei Ri auch für die durchschnittliche Entfernung zwischen zwei Orten steht. Die ersten Auslandsaufführunegen erhielten dann eine falsche Übersetzung Meilen, was wiederum mit miru zu übersetzen wäre. (ich hoffe, ich habe das jetzt richtig zusammengefasst).

Ein spannender Film, mit Action-Szenen, die jeden (Dampf-)Zugliebhaber wohl begeistern dürften. Etwas irritieren ist die Geschwindigkeit der Bremsungen. Der Bremsweg ist etwa geschätzte 10cm. Dank der Einführung von Günther Buchwald weiß man aber glücklicherweise, das dies kein filmischer Fehler ist, sondern ein auch im japanischen Theater übliche Vorgehen ist. Die Handlungsgründe sind dargelegt (man weiß warum gebremst wird) und die Handlung kann an der Stelle nach der Aktion weiterfahren. In Theaterstücken ist es auch üblich zu beschreiben, warum jemand irgendwohin geht. Danach zeigt eine Geste, das die Reise durchgeführt ist und die Handlung wird am Ziel fortgesetzt.

Die Musik ist wie jedesmal von Günther Buchwald ausgeführt. Diesmal hatte ich auch das Glück - oder Pech - Günther Buchwald genau im Blickwinkel zu haben. So konnte ich ihn beobachten, wie er die Instrumente tauscht oder wie er es schafft gleichzeitig Geige und Klavier zu spielen. Im Vortrag vor dem Film beschrieb er eine Filmvorführung mit einem Benshi, bei der er nicht wußte, ob er dem Film oder dem Benshi zusehen sollte. So ging es mir bei diesem Film - sollte ich den Film oder dem Musiker zusehen?

Die phantastischen Welten des Georges Méliès

Am Samstag nachmittag wurden die Stummfilmtage mit Kurzfilmen von Georges Méliès fortgesetzt, begleitet von Yogo Pausch.

Eine schöne Zusammenstellung der Filme von Méliès, schöne Musik dazu.

Tabu

Abends kommt dann mein Festivalfavorit: Tabu, ein Film der schon lange auf meiner Unbedingt mal sehen-Liste steht.

Vor dem Film gibt es wieder ein Podiumsgespräch mit dem Dirigenten Frank Strobel und der Komponistin Violeta Dinescu.

Violeta Dinescu berichtetet sehr angeregt, wie sie die Musik zum Film komponierte und erzählte einige Anekdoten dazu. Interessant war die Struktur, die sie der Begleitmusik gab. Es gibt genau durchkomponierte Strecken, die exakt zum Film passen. Um Verschiebungen zu verhindern hat sie aber auch freie variable Elemente in der Musik. Jedes Instrument hat einige wenige Töne, die wiederholt werden und jederzeit abgebrochen werden können. Im Zusammenspiel der Instrumente gibt es dann einen Klangteppich zum Film. An definierten Synchronisationspunkten (sie sprach von Treffpunkten oder Meeting Points) finden die Musiker dann wieder zusammen und beginnen einen neuen gemeinsamen Musikzyklus.

Zum Film: Murnaus Meisterwerk spielt in Polynesien und zeigt ein Paradies. Für das Liebespaar Reri und Mahati zerbricht das Paradies aber, als Reri dazu auserkoren wird als Jungfrau den Göttern zu dienen. Wer gegen das Tabu verstößt wird mit dem Tod bestraft.

Die zwei fliehen auf eine bereits kolonialisierte Insel, kommen dort aber in die Hände skrupelloser Händler.

Der Film zeigt wunderbare Aufnahmen, die Musik passte hervorragend zum Film. Wer Gelegenheit hat diesen Film mit dieser Begleitmusik zu sehen, ich kann es nur empfehlen.

Chang

Spät abends kommt noch Chang: A Drama of the Wilderness mit einer Einführung von Kevin Brownlow. Nach ein paar technischen Problemen (als das Mikro Probleme machte, sagte er nur, ''You can tell, I am a silent movie expert'') berichtet Kevin Brownlow über das sehr spannende Leben des Regisseurs Merian C. Cooper und die Produktion des Films.

Zum Film: Im Dschungel von Siam (Thailand) kämpft der Bauer Kru und seine Familie ums täglische Überleben. Leoparden, menschenfressende Tiger und eine wild gewordene Herde Elefanten machen ihnen das leben schwer. Aber der Mensch bezwingt mit seiner Intelligenz den Dschungel.

Der Film versammelt spannende Actionszenen und zeigt eine etwas prä-ökologische Sicht der Dinge. Aus europäischer heutiger Sicht ist doch einiges befremdlich. Alle Wildtiere müssen gefangen und entweder erschossen oder gezähmt werden. Man sieht die Tiere am Ende entweder tot oder angeleint.

Aber die Bilder sind beeindruckend. Wütende Tiger und eine Elefantenherde, die in Wut ein Dorf überrennt und komplett vernichtet.

Und eine alte Wahrheit zwigt sich auch: Kinder und junge Tiere sind einfach in einem Film immer die heimlichen Stars (und in Chang kommt noch ein Affe dazu).

Die Leuchte Asiens

Sonntags beginnt der Filmtag mit Die Leuchte Asiens (Prem Sanyas).

Der Film berichtet über das Leben Buddhas und zeigt wunderschöne Aufnahmen Indiens.

Begleitet wird er Film stilecht mit indischer Musik. Obwohl ich früher recht viel indische Musik hörte, ist es erst mal wieder etwas ungewohnt, wird aber schnell besser.

Bei dem folgenden Slapstick Lunch unterhielten wir uns natürlich auch über den Film. Er fand allgemein Anklang, und Tischgenossen, die schon in Indien waren haben auch einige der Drehorte identifizieren können.

Slapstick Lunch

Nach dem Film aus Indien gab es dann einen Slapstick Lunch.

Es wurden sechs Slapstick-Kurzfilme, jeweils von Dr. Dieter Meyer begleitet, gezeigt. Dazu gab es ein indisches Menu.

Ich hatte eine nette Tischgesellschaft und wir konnten uns über die bisher gezeigten Filme unterhalten. Das Essen selbst war wie erwartet nicht das kulinarische Topevent. Da keine richtige Küche vorhanden ist, muß das Essen vorab vorbereitet werden und wird warmgehalten aufgetragen. Zudem ist das Schauen der Filme und das gleichzeitige Essen schwierig. Ißt man, verpasst man den Film. Schaut man den Film, wird das Essen kalt. Aber zum Glück werden nur sechs kurze Filme gezeigt, die durch größerer Pausen getrennt sind, die man dann gut durch Essen und nette Gespräche überbrücken kann.

Der Kameramann

Der für mich letzte Stummfilm dieser Stummfilmtage ist dann Der Kameramann von Buster Keaton.

Von dem Film selbst war ich etwas enttäuscht, sicherlich nicht einer von Keatons besten Filmen. Aber Keaton kann ja keine schlechten Filme machen und so habe ich mich trotzdem gut amüsiert.

Begleitet wurde der Film von Frieder Egri & Ensemble mit einer leichten Jazzmusik - für mich ehrlich gesagt etwas zu leicht.

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