27. Stummfilmfestival Pordenone, 4.-11. Oktober 2008English


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Das 27. Stummfilmfestival in Pordenone findet vom 4.-11. Oktober 2008 in Pordenone statt.

Weblinks zum Festival 2008

Ankündigung

Presseartikel

Neues Deutschland, 18.10.2008: Russische Meisterleistung Das Kinofestival Le giornate del cinema muto, Pordenone

GCM 2008

Bericht von meinem Festivalbesuch

Hinweis: Dieser Text findet sich noch im Rohzustand, er ist während dem Festival geschrieben. Wenn ich Zeit finde, wird er nochmal überarbeitet und mit Fotos versehen.

Eine Gesamtübersicht über die Veranstaltungen gibt es auf der Festivalseite: http://www.cinetecadelfriuli.org/gcm/giornate/edizione2008/calendario_2008.html

Beschreibung und Daten zu den Filmen sind im Programmheft enthalten (englisch/italienisch) das im Internet als PDF Verfügbar ist:

Samstag, 4. Oktober

Nach einem kurzen Flug nach Venedig konnte ich mir die Suche nach der besten Verbindung nach Pordenone sparen: Es gab im Flughafen Venedig einen Informationsschalter des Festivals, das mir die nächste Verbindung geben konnte. Am Schalter fand sich den auch gleich ein Mit-Festivalbesucher.

Mit dem Bus ging es zum Bahnhof in Venezia Mestre (der eigentlich größere Teil Venedigs, der nicht in der Lagune liegt. Am Busstop finden sich auch schon weitere Besucher des Festivals ein. Im Bahnhof geht es dann flugs zum Schalter oder Fahrscheinautomaten und die Zeit reicht gerade zum lösen des Fahrscheinkarte und dem finden des Gleises. Drei Minuten weniger Zeit und der Zug wäre weg gewesen - Glück gehabt.

Im Tuckelzug geht es dann nach Pordenone. In Pordenone haben wir das Viertel vor sieben - die erste Vorstellung die ich sehen wollte beginnt um 20:30. Sollte gerade reichen. Auf dem Weg vom Bahnhof zum Hotel liegt das Festivalbüro zum Anmelden, das Teatro Verdi mit den hinterlegten Eintrittskarten liegt auch fast auf dem Weg.

Leider klappt es nicht ganz so wie ich es mir dachte, das Festivalbüro vom Vorjahr ist eine Baustelle - da hätte wohl doch besser die Ankündigungen gelesen, dann wüsste ich wo das Festivalbüro liegt. Aber andere am Festivalausweis erkennbare Festivalbesucher helfen mir aus und sagen mir wo das diesjährige Festivalbüro liegt. Ok, ein etwas größerer Umweg zum Festivaloffice, an dem die Anmeldung flott vorangeht, es hat gerade keine Schlangen. Danach zum Teatro Verdi und noch schnell die Eintrittkarte für den Abend abgeholt. Hotel-Check-in geht auch danz flott und ich habe noch eine Stunde Zeit mich einzurichten. Die Zeit reicht sogar noch zu einer kleinen Pizzaschnitte auf der Hand - ich brauche mir also keine Sorgen machen, das mein Magenknurren andere stört. GCM 2008

David Robinson begrüsst uns dann wieder mit seinem Welcome Home und es gibt eine Ansprache mir dem dank an Sponsoren wie Stadt, Provinz, Region, sowie einer unterstützenden Bank.

Zu Beginn gibt es zwei kurze Filme von Meet Shiryev, einer Stummfilmneuentdeckung zu dem auf dem Festival noch mehr kommt.

Danach beginnt die eigentliche Eröffnungsveranstaltung mit dem Film Sparrows mit Mary Pickford (1926, Regie William Beaudine)

Sparrows

Kurz zum Inhalt: Ein böser Mann der in einem schrecklichen Sumpf wohnt verdient sein Geld mit dem aufziehen von Kindern. Geld bekommt er von den Eltern, die sich nicht selbst um ihre Kinder kümmern können. Natürlich kassiert er das Geld und kümmert sich nicht um die Kinder.

Das macht Mary Pickford, die sich herzlichst um ihre Kinder kümmert. Die Geschichte eskaliert, als ein entführtes Kind zur Betreuung gebracht wird und es in den Sumpf geworfen werden soll, weil die Befürchtung besteht die Polizei könnte es entdecken.

Der Film drückt kräftig auf die Tränendrüse, es hat zu Herz gehende Kinderszenen. So stirbt ein Baby, indem im Hinergrund der Filmszene ein biblische Landschaft mit Schafen und Schäfer erscheint und der Schäfer das Baby in die Arme nimmt und in die Schäferidylle führt.

Am Ende wird das Böse bestraft und Mary Pickford findet mit den Kindern eine neue Heimat. Ach - wie kitschig können Filme sein.

Begleitet wird der Film vom Orchestra Sinfonica del Friuli Giulia unter der Leitung von Hugh Munro Neely.

Sonntag, 5. Oktober 2008

Triplepatte

Der Sonntag beginnt mit einer netten französischen Komödie von Raymond Bernard (1922), begleitet von Stephen Horne.

Ein etwas trottelig wirkender Mann soll verheiratet werden, hat dazu aber keine richtige Lust. Nett ist die Anfangsidee: Auf einer Hochzeit zweier Paare verspricht einer der zwei Bräutigamme, das sein erster Sohn die erste Tochter des anderen Paares heiratet. Der erste Sohn ist 30 Jahre später der etwas trottelig wirkende Junggeselle. Und das andere Paar hat natürlich auch eine Tochter - leider erst nach über zwanzig Jahren. Als kleiner Running Gag wird das fünfjährige Mädchen dann auch immer als seine Verlobte vorgestellt, die er in etwas 15 Jahren heiraten will.

Um das Ende zu veraten: Er bekommt dann doch eine andere.

Die Musik war gemächlich und ruhig, aber auch zu dem etwas schläfrigen Junggesellen passend. Jedenfalls ganz gut, das ich den Film ausgeschlafen angesehen habe, müde wäre es den doch etwas anstrengend geworden.

Eine nette kleine Komödie zum Einstieg.

Baby Peggy

Mit Such is Life und Carmen Junior folgen zwei kurze Baby Peggy Filme. Kann man sehen, muss aber auch nicht sein - da habe ich schon nettere Baby Peggy Filme gesehen.

Danach folgt für mich eine Zwangspause, Sally of the Sawdust lasse ich ausfallen. Wenn ich den ganzen Tag im Kino sitze, bekomme ich Kopfschmerzen und am Nachmittag geht es ja gleich wieder weiter.

Wiederentdeckungen: Max Lindner

Am nachmittag werden vier Filme von Max Lindner gezeigt. Neben zwei Kurzfilmen gibt es Max Toréador und The three Must-Get-There.

In Max Toréador will Max Lindner ein Matador werden und besorgt sich dazu ein Übungsobjekt - Eine Kuh mit Kalb (imerdurstiges Anhängsel). Interessant auch seine Meinung In meiner eigenen Wohnung darf ich halten was ich will. Mal schauen ob mein Vermieter der gleichen Meinung ist.

The three Must-Get-There ist eine 1922 gedrehte Parodie auf den ein Jahr zuvor erschienenen Drei Musketiere-Film mit Douglas fairbanks. Eine sehr zu empfehlende Komödie. Es hat jede Menge Gags ohne in Slapstick zu wechseln. Musketiere stehen allzeit bereit und können direkt aus dem Bett über eine Rutschstange auf ihre bereitstehenden Pferde rutschen.

Begleitet wurden die Filme von einem Pianisten, der leider nicht genannt wurde. Aufgrund technischer Probleme hatte er teilweise wohl kein Bild, jedenfalls wurden Teile des Films nicht begleitet (der Pianist machte sich aber noch bemerkbar).

His Nibs

His Nibs, begleitet von Gabriel Thibaudeau, war noch eine nette Komödie für den Nachmittag.

Eingebettet über eine Rahmenhandlung von einem Filmtheater und dessen Vorführer erlebt ein unerfahrener Jüngling die Gefahren der großen Stadt. Und wie sagt der Vorführer am Ende: Das Ende habe ich rausgeschnitten, das ist eh immer gleich. Sie bekommen sich und gahen wieder nach Hause und werden dort glücklich.

Sehr spannend auch die Nachrichten zu Beginn. Gezeigt wurde der US-Präsident auf Durchfahrt durch die Stadt: Man sieht einen Zug der vorbeifährt. Kommentar dazu: In diesem Zug sass der Präsident. Das Publikum ist begeistert und freut sich, das der Präsident sich so interessierte.

Montag, 6. Oktober 2008

French Touch

Der Montag startet mit einer Reihe mit french touch. Vier Filme von Jacques Feyder werden gezeigt, Donald Sosin begleitet die Filme.

Interessant war "Des Pieds et des mains", ein Film, der nur die Füße und Hände der Darsteller zeigt. Nur in der Abschlussszene gab es die zwei Hauptdarsteller mit ihrem Kind zeigt (Ja sie finden sich und es hat dann die typische abschliessende Szene die zeigt, das sich das Paar fand und eine glückliche Famiele wird.)

Interessant auch, welche Effekte ein Rechtschreibfehler in einer Bewerbung haben kann und wie man es besser nicht versucht zu korregieren. Es ist auch immer wieder interessant, wie in den Filmen ein Gerechtigkeitsgefühl wahrgenommen wird. Da wird der Bewerber erwischt, wie er eingebrochen ist um einen Rechtschreibfehler in seiner Bewerbung zu korregieren. Auf der Poizei wird er festgehalten und ihm wird vorgeworfen einen Tresor ausgeräumt zu haben. Nachdem der echte Täter mit der Beute erwischt wird, kommt er frei und erhält seine Stelle wegen seiner hervoragenden orthografischen Kenntnisse. Keiner frägt nach, was er nachts in dem Büro machte. Aber nach der Handlungslogik frägt man in vielen Filmen besser nicht nach.

Ed's Co-Ed

Etwas verspätet komme ich in den Film Ed's Co-Ed im benachbarten Ridotto del Verdi.

Ein schöner und angenehm zu sehender Film mit einer spannenden Produktionsgeschichte. Gedreht wurde der Film 1929 von einem Studenten, der bei der Produktion von Murnaus City Girl mitarbeitete. Er besrogte sich eine Kamera und drehte mit seinen Freunden in Oregon den Film.

Die Handluing folgt bekannten Wegen: Junge aus einfachen Verhältnissen kommt an die Universität und wird nach heutigem Verständis wegen seiner Herkuinft gemobbt. Dabei ist er der Student mit den besten Noten und spielt hervorragend Violine... Als er für einen anderen Studenten eine Schuld übernimmt wird er noch mehr gemobbt, bis sich der eigentliche Übeltäter bekennt.

Füpr ein Erstlingswerk ist der Film sehr beeindruckend, hervorragend am Klavier von Stephen Horne begleitet.

Masterclass

Nach dem Film könnte ich noch die zweite Hälfte der Masterclass erleben.

Neil Brand leitet in dem Kurs zwei Pianisten in die Kuinst der Stummfilmbegleitung ein. Touve R. Ratovondrahety (Frankreich/Madagaskar) und Andrew Simpson (USA) sind die diesjährigen Stipendiaten die diese Woche viel lernen dürfen.

Beide Musiker dürfen nacheinander Filme begleiten. Als ich dazustiess waren sie gerade im Genre Horror und arbeiteten an Szenen des Phantom der Oper.

Danach wird in das Genre Komödie gewechselt und die zwei Musiker dürfen nacheinander Szenen von Keatons Three Ages begleiten.

Gespräche

Am Nachmittag treffe ich dann noch Michael Seeber vom Ensemble Filmharmonie (SBOK Symphonisches Blasorchester Klagenfurt). Arg viel zum sprechen kommen wir nicht, weil es doch immer wieder Gespäche gibt und neugierige Nachfragen, was wir gerade auf seinem Laptop anschauen (DVD-Auszüge der letzten SBOK-Projekte).

Maciste in Vacanza

Am Abend gibt es dann nochmal großes Abendprogramm.

Nach Manhatta folgt ein italienischer Film aus der Maciniste-Reihe. Maciniste (Bartolomeo Pagano) ein bekannter Heldendarsteller will Urlaub machen, kommt aber nicht dazu, da er überall als Held erkannt wird und um Hilfe gebeten wird. Als er schliessliech in einer Burgruine Zuflucht findet hat er zwar erstmal Ruhe, was sich aber ändert als dort ein Entführungsopfer (eine amerikanische junge Frau auf der Suche nach einem Ehemann) eingesperrt wird.

Maciniste kann mal wieder seine Stärke zeigen und überwindet natürlich alle Hindernisse. Wundern kann man sich mal wieder über gewisse Moralvorstellungen. Als der Übeltäter bekennt, das er eigentlich nur in die Frau verliebt ist, und er alle Konkurrenten ermordet hat, verzeiht Macinisti ihm, das auch auf ihn ein Anschlag stattfand und hilft dem mehrfachen Mörder seine Frau zu bekommen.

Begleitet wird der Film von Neil Brand.

Paris en cinq jours

Im Spätprogramm darf John Sweeney den französischen Film Paris en cinq Jour begleiten. Ein amerikanischer Frankreichfan bekommt die Gelegenheit mit seiner Verlobten für fünf Tage nach Paris zu gehen.

Wer jetzt den tollpatschigen Amerikaner in Paris erwartet wird nur teilweise seine Erwartungen erfüllt sehen. Es wird mehr der Tourismusbetrieb auf die Schippe genommen (Wir haben 15 Minuten Zeit für das Museum, später heißt es dann Sechs Minuten Zeit zum Tanzen, Schnell, wir sind zwei Minuten hinter dem Zeitplan).

Und für alle Paris-Reisenden ein Tipp: Merkt euch euer Hotel. Ohne zu wissen, in welchem Hotel man wohnt, hat man Probleme nachts sein Bett zu finden. Ein weiterer Tipp: Im Hotel de Ville seit ihr sicher nicht abgestiegen.

Dienstag, 7. Oktober 2008

Wiederentdeckungen: Keystone

Mein Dienstag fängt etwas später an, es werden neu gefundene/restaurierte Filme von Keystone gezeigt. In schneller Folge werden neun Kurzfilme von 6-19 Minuten Länge gezeigt.

Wenn jemand auf der Suche nach der ersten Überwachungskamera ist: In Only a messanger boy (USA, 1915) hilft eine zufällig aufgebaute Kamera einem Nachrichtenjungen seine Unschuld zu beweisen.

Masterclass

Die Masterclass leitet heute Günther Buchwald. Er hat einen anderen Unterrichtsstil als Neil Brand. Buchwald lässt eine Szene von beiden spielen, manchmal auch mehrmals nacheinander. Dabei lässt er verschiedene Parameter anpassen (mal lauter/leiser, mal an der Geschwindigkeit varieirend).

Während Neil Brand mehr daran arbeitet, die Gefühle des Musikers in die Musik einzubringen, arbeitet Buchwald an verschiedenen Techniken und gibt praktische Tipps (Versucht mal...).

Es ist spannend zu sehen, wie die zwei Musiker im Unterricht verschiedene Schwerpunkte setzen. Auch spannend wie die zwei Schüler unterschiedliche Stile einbringen.

Früher Film: Experimente von Edison

Am Nachmittag hat es eher einen Vortrag als eine Vorführung. Es wird gezeigt, wie Edison die ersten Versuche zur Filmproduktion vornahm. Verschiedene Experimente werden gezeigt, u.a. wird auch die Entstehung des Filmfomates 35mm gezeigt.

Für den Musiker John Sweeney eine Herausforderung: Wie soll man einem 10-Sekunden-Schnippsel eine Musikbegleitung verpassen?

A modern musketeer

Vor dem Fairbanks-Film A modern musketeer wird ein moderner Stummfilm Quale Baia gezeigt. Das besondere: Der 17-jährige Regisseur des 2007 gedrehten Film ist anwesend und zeigt seine Begeisterung für den Stummfilm.

Danach darf Ian Mostrorigo die Komödie A modern musketeer (1917) begleiten.

Wiederentdeckungen: Hayakaba

Am späten Nachmittag hat es dann noch zwei Reste von Filmen mit Sesseu Hayakawa. Hayakawa war einer der wenigen Nicht-Weißen Stummfilmstars.

Der in Japan geborene Schauspieler spielt im ersten Teil einen japanischen Einwanderer, von dem sich später herausstellt, das er der Sohn eines US-Admirals ist.

Am Ende kommt der Patroitismus durch. Warum wollen die eigentlich immer für ihr Land sterben? Wäre es nicht sinnvoller für sein Vaterland zu leben und die Verhältnisse zu verbessern?

Gribiche

Abends gibt es mit Gribiche nochmal einen französischen Film von Jacques Feyder. Zuvor wird in einem netten kleinen Kurzfilm aber noch der Beweis erbracht, das Brasilien der Staat war, der als ertses den Mond besuchte!

Zum Hauptfilm Gribiche: Ein wohlerzogener Junge (Gribiche) zieht die Aufmerksamkeit einer gutsituierten Amerikanerin in Paris auf sich, die dann beschliesst ihn zu adoptieren und die Erzeihung zukommen zu lassen die ihm gebührt. Er stimmt der Adoption zu, da er glaubt seine verwitwete Mutter würde eine Wiederheirat ausschlagen solange er zuhause wäre.

Bei seiner Adoptionsmutter verkümmert er aber sehr schnell in einem lieblosen, streng durchplanten Tagesablauf. Zum Ende sieht seine Adoptionsmutter ihren Fehler ein und Grimiche kehrt zu seiner inzwischen verheirateten Mutter zurück.

Spannend für mich war meine abendliche Sitznachbarin. Eine ältere Engländerin, die mit einem Italiener verheiratet ist und in Pordenone wohnt. Sie war etwas irritiert, sie wäre unter dem Tage am Teatro Verdi vorbei gelaufen und hätte so viele amerikanische Stimmen gehört (sie meinte nur, sie als Engländerin hätte Probleme gehabt sie zu verstehen). Und weil sie das Programm interessant fände und sie in der Nähe wohnt will sie sich das jetzt mal anschauen. Sie verstände jetzt nur nicht wer wir wären und woher wir kommen, sie würde irgendwie niemand vom normalen Publikum im Teatro Verdi wiederfinden. Ich hatte dann noch ein nettes Gespräch bevor der Film losging der sich dann nach dem Film fortsetzte.

The Man Beneath

Zum Schluss gab es noch einen Film mit dem Darsteller Hayakawa, der in The Man Beneath einen Inder (!) spielt.

Mittwoch, 8. Oktober 2008

Le mervieulleuse Journée

Philip Carli begleitet René Barberis Film Le mervieulleuse Journée. Ein gelangweilter Multimillionär legt mit seiner Yacht in einem französischen Mittelmeerstädtchen an und möchte krank werden um seine Langeweile zu vertreiben. Als alle Versuche des Arztes und Apothekers misslingen reist er gelangweilt ab, ein Helfer des Apothekers bleibt aber aus Versehen an Bord. Da er es schafft den Millionär zum lachen zu bringen wird er angeheuert. In der Folge gewinnt er verliert er im Casino, am Ende bekommen sowohl der Apothekerhelfer als auch der Millionär ihre Frau ab.

Mal wieder eine nette kleine französische Romanze.

GCM 2008

Jonathan Dennis Memorial Lecture: The Telephone Thriller

Eileen Bowser liest einen Vortrag mit dem Thema The Telephone Thriller; or The Terrors of Modern Technology vor.

Der Vortrag glänzte jetzt nicht sonderlich, aber interessant zu hören, das schon damals bei der Einführung des Telefons von staatlicher Seite Befürchtungen bestanden, das die Möglichkeit von (anonymen) Privatgesprächen über größere Strecken den Staat destabilisieren könnten. Befürchtungen die es mit den modernen Internet-Technologien ja auch gibt.

GCM 2008

Masterclass

Nach dem eher langweiligen Telephonvortrag wechselte ich zur Masterclass.

Diesmal wurde an der Einstiegssequenz zu The Black Pirate geübt. Spannend wie lange die Texttafeln am Anfang sind, man leidet mit dem Pianisten beim Einstieg.

It's the old Army Game

Nachdem ich schon einige französische Titel gesehen habe, verzichte ich am Nachmittag auf Figaro (Frankreich 1929) und sehe mir It's the old Army Game mit W.C.Fields an. Klavierbegleitung gibt es von Donald Sosin. GCM 2008

Eine Enkeltochter von W.C.Fields ist anwesend und gibt kurz ein paar Informationen über Ihren Großvater

Eine amüsant anzusehende Komödie mit einigen Tipps, wie man mit schreienden Kindern umgehen kann - aber vielleicht nicht unbedingt sollte.

The Battle of the Sexes

Zum Abschluss des Nachmittagsprogrammes gibt es noch einen Griffith-Film von 1928. Die Geschichte: Familienvater läßt sich von einer geldsüchtigen Blondine verführen und verliert darüber seine Familie. Erst als er seine Tochter in einer verfänglichen Situation erwischt (eigentlich ein Irrtum) und sie auf den Vorwurf sie würde die Familienehre beschmutzen nur entgegnet, das sie in seine Fußstapfen tritt sieht er seinen Fehler ein.

Ein gut erhaltener Film mit eher mittelmässiger Handlung, aber schon begleitet von Stephen Horne.

Little old New York

Am Abend gibt es einen kleinen Festivalhöhepunkt. Elizabeth-Jane Baldry begleitet Little old New York an der Harfe. Die Harfenklänge passen sich wunderbar in den Film ein und bilden einen wunderschönen Klangteppich für den Film.

GCM 2008

Serenade the Silents

Nach den Harfenklängen gibt es diesmal einen weiteren musikalischen Höhepunkt. In Serenade the Silents werden Titel aus den Vorprogrammen gesungen. Gesungen werden die meisten Titel von Joanna Seaton, einige Titel werden von dem Stummfilmstar Jean Darling gesungen. Einmal verlässt Donald Sosin das Klavier und singt ebenfalls ein Stück.

Donnerstag, 9. Oktober 2008

Masterclass

Diesmal schaffte ich es die diesla von Gabriel Thibaudeau geführte Masterclass komplett zu besuchen. Es wurde eine Szene wieder und wieder gespielt und in verschiedenen Variationen begleitet.

Besonders spannend war die Lektion der Power of one note (Macht der einzelnen Note). Nacheinander durften die zwei Masterclass-Schüler das Stück begleiten, der eine nur mit der linken Hand, der andere danach nur mit der Rechten. Die künstliche Einschränkung hatte erstaunliche Effekte. Insbesonder die Filmbegleitung von Andrew Simpson war beeindruckend, insbesonders im Unterschied zu seiner Begleitung die er direkt davor ausführte. Da kann ich nur sagen Die Macht sei mit dir, gerade auch die Macht der einzelnen Note.

Amüsant wurde es dann, als das Survival-Kit des Stummfilmbegleiters durchgegangen wurde. Erste Tipp: Fangt erst gar nicht mit Stummfilmbegleitung an. Ansonsten gab es Tipps für Glocken (major chords). Beim Tipp für Züge gab es auch gleich eine Warnung: Es wären kanadische Züge. Der ebenfalls anwesende Neil Brand gab dann noch Tipps zum musikalischen Äquivalent für Schüsse und Explosionen.

Frühes Kino: Brighton

Nach der Mittagspause gab es dann einige Kurzfilme aus einem Programm, das vor 30 Jahren in Brighton stattfand.

Begleitet wuden die Filme von Gabriel Thibaudeau.

Laila

Am Nachmittag hat Günther Buchwald dann nochmal gezeigt wie er seine zwei Instrumente beherrscht. Mit seiner Geige schaffte er es die traurige Augenblicke des Films in eine wunderbare melancholische Stimmung einzubetten - Schnüff.

Gezeigt wurde ein norwegischer Film, der 1929 in der Finnmark gedreht wurde. Eine norwegische Familie bricht im Winter auf um ihre Tochter zu taufen. Auf dem Weg zur Kirche (bzw. zur nächsten Stadt in der es eine Kirche hat) werden sie von Wölfen verfolgt. Das Baby fällt auf der Flucht aus dem Schlitten und wird zufällig von einem Lappen gefunden, der es zu seinem Kinderlosen Herrn bringt, der beschließt die Kleine zu adoptieren. Das Kind wächst als Laila in der lappischen (oder wie nennt man das? samisch?) Familie auf.

Als junge Frau soll sie dann einen ebenfalls bei der Familie aufgewachsenen Jungen heiraten, lernt aber ihren biologischen Cousin kennen und lieben. Nach mehreren Verwicklungen kann sie schließlich ihren Cousin heiraten.

Ein wunderschöner Film mit tollen Aufnahmen und (fast) einen guten Plot. Nur die letzte halbe Stunde hätte meiner Ansicht nach nicht sein müssen. Ich dachte nur noch: Nein, nicht noch eine Verwicklung, lasst es gut sein. Lasst Laila ihre Ursrpünge erfahren, sie bekommt ihren Ehemann, ihr geplanter Ehemann hat Pech gehabt (lasst in meinetwegen sterben, eine andere Frau finden oder in die Eiswüste reiten). Aber jetzt nicht noch eine angesetzte Heirar von der man weiß sie wird im letzten Moment unterbrochen, nein nicht noch eine Wolfsjagd...

Musikalisch war die Begleitung einer der Höhepunkte des Festivals. Günther Buchwald schaffte es einem einen Kloss in den Hals zu spielen und später wieder

La Fanciulla, il Poeta e la Laguna

Am späten Abend hatte dann einer der Masterclass-Schüler seine Pordenone-Premiere. Touve R. Ratovondrahety durfte den tschechischen Film La Fanciulla, il Poeta e la Laguna begleiten. Mit dem Film hatte er etwas Pech, es war ein sehr undankbarer Film. Später habe ich in der Masterclass dann auch zufällig mitbekommen, wie David Robinson (Festivalleiter) meinte, er wäre in einem späteren Festival herzlich willkommen und dann würde er auch einen ordentlichen Film bekommen.

Mir selbst gefiel die Begleitung nicht. Sie bot zwar einige Themen, aber insgesamt war es mir zu laut und aufregend. Es gab zwar vereinzelt ruhigere Phasen, aber mir waren sie insgesamt zu kurz. Ich weiß nicht ob es an der unglücklichen Handlung lag oder auch an der Begleitung, mir gefiel der Film jedenfalls nicht.

Freitag, 10. Oktober 2008

Ihr dunkler Punkt

Am Nachmittag hat es einen deutschen Film mit deutschen Zwischentitel. Der dunkle Punkt ist ein Muttermal auf dem Bein der Juwelendiebin Yvette Demoulin (Lilian Harvey) und das einzige Unterscheidungsmerkmal zu Lilian von Trucks. Lilian stellt dies auf unangenehme Weise heraus, als sie mit der Juwelendiebin verwechselt und festgenommen wird. Durch Zufall erfahrt sie, wo sich ihr Doppelgänger befindet und beschließt für einen Tag in die Rolle ihres Pendants zu schlüpfen.

Eine nette Kömodie, schön begleitet von Marie-Luise Bolte.

Samstag, 12. Oktober 2008

So's your old man

Der Tag startet heute mit zwei Filmen mit W.C. Fields. Als Vorfilm wird Pool Sharks gezeigt, W.C. Fields zeigt ein paar Tricks am Billardtisch (Stop Motion Technik).

In So's your old man spielt Fields einen Erfinder (bruchsichere Windschutzscheiben) der nicht ganz den gessellschaftlichen Normen entspricht. Zum Problem wird das, als seine Tochter einen Freund aus 'gehobenen' Schicht heiratenh möchte.

Auf der Rückreise von einer erfolglosen Vorführung seiner Erfindung (man sollte den doch schauen, bei welchem Auto man die Windschutzscheibe mit Steinen bewirft um zu zeigen das es bruchsicher ist) lernt er zufällig eine Prinzessin kennen, die beschliest ihm zu helfen.

Begleitet wurden die zwei Filme von Phillip Carli. Nach dem Film erzählte Fields Enkelin noch ein paar Familienstorys.

Janice Meredith

Am späten Vormittag hatte dann Andrew Simpson, einer der Masterclass-Schüler, seine Pordenone Premiere.

Er begleitete Janice Meredith, einen Film über den amerikanischen Unabhängigkeitskrieg. Simpsons begleitung hat mir sehr gefallen, allerdings war der Film auf ein sehr dankbarer Film.

The Struggle

Am Nachmittag des letzten Tages kam ich dann zufällig in einen Griffith-Tonfilm. The struggle erzählt die Geschichte eines Mannes, der dem Alkohol nicht widerstehen kann und sich ins soziale Aus befördert. Am Ende ist er verzeifelt als er glaubt seine Tochter im Rausch ermordert zu haben. Nachdem er dem Alkohol entsagt hat findet er wieder Arbeit und kann seine Familie wieder unterstützen.

Naja, Tonfilm... Ich hatte teilweise Problem den Text zu verstehen. Slang-Englisch mit wechselnder Tonqualität zeigt seine Spuren.

The green goddess

In The green goddess gab es mal wieder schönes Stummfilmkino. Der Film spielt in Indien während der Kolonialzeit. Drei Prinzensöhne eines indischen Reiches sollen wegen einem Morg hingerichtet werden. Man befürchtet Aufstände und ein Ehepaar fliegt mit einem Piloten zu ihren Kindern um sie zu schützen. Dummerweise stürzt das Flugzeug genau in dem Reich aus dem die Prinzen kommen ab.

Der lokale Raja entpuppt sich als ein sehr kultivierter Mann mit Oxford-Diplom und einem Faible für alles englische. Leider hindert ihn das nicht daran, die drei Engländer hinrichten zu lassen - ihre lokale Gottheit würde das als Rache für die geplante Hinrichtung seiner Brüder fordern.

Zum Fast-Abschluss ein schöner Film, und einem beeindruckend ruhigen und kultivierten Raja, der am Ende dann auch nur ganz distanziert feststellt, das er jetzt wohl verloren hat.

Abschlussveranstaltung

GCM 2008

Zum Abschluss begleitet L'octuor de France, dirigiert von Antonio Coppola den französischen Film Les Nouveaux Messieurs.

Zuvor gibt es allerdings noch jede Menge Danksagungen und die Verleihung des Prix Jean Mitri an Laura Minici Zotti und die AFRHC GCM 2008

Laura Minici Zotti wurde für ihre Laterna Magica-Aufführungen und den Aufbau eines Museum zur Vor-Kino-Geschichte geehrt. Sie war die erste, die Laterna-Magica-Bilder sicht nur gesammelt und ausgestellt hat, sondern die sie auch vorgeführt hat. So sorgte sie dafür, das die Vorgeschichte des Kinos nicht nur erhalten, sondern auch erlebbar blieb.

Die Association française de recherche sur l'histoire du cinéma (AFRHC) wurde für ihre Arbeit zur Kinogeschichte geehrt.

Les Nouveaux Messieurs

Nach den Ehrungen startete der Film mit ca. einer Stunde Verspätung. Erzählt wurde die Romanze einer Tänzerin mit einem Elektriker, der im Laufe des Films über den Weg der Gewerkschaft Abgeordneter und später Minister für Arbeit wird. Kompliziert wird die Geschichte dadurch, das die Tänzerin einen reichen und alten Verehrer hat, der ebenfalls Abgeordneter ist.

Sehr schön fand ich das Ende, es war jeder ein Happy-End noch ein tragisches Ende. Nachdem der Elektriker sein Ministeramt verloren hat und ins Ausland 'weggelobt' wurde, kehrt die Tänzerin wieder zu ihrem Verlobten zurück. Kein Happy-End, eher ein es-bleibt-wie-es-ist und wählen arrangieren wir uns mit dem bequemen.

Nach dem Film gab es dann noch einen kleinen Empfang mit kostenlosen Häppchen und Getränken.