Esslingen 10. Mai: Curt-Goetz-Stummfilm über den jungen Schiller


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Eine Dichterjugend von leichter Hand

ESSLINGEN: Horst Jaedicke stellt den wieder entdeckten Curt-Goetz-Stummfilm über den jungen Schiller im Traumpalast vor

Von Gaby Weiß

Kaum ein Tag vergeht, an dem uns das Fernsehen nicht mindestens einen Schiller-Film ins Haus bringt, denn der Dichter war lange nicht so populär wie anlässlich seines 200. Todestages. Einer der ungewöhnlichsten Schiller-Filme war bisher nicht auf der Mattscheibe zu sehen, sondern nur in wenigen Vorstellungen. Gestern hatte das Esslinger Publikum Gelegenheit, Curt Goetz' wiederentdeckten Film "Friedrich Schiller. Eine Dichterjugend" zu sehen. Und weil Film-Fans und Literaturliebhaber Schlange standen, mussten die Veranstalter - Traumpalast, Kreissparkasse, Buchhandlung H. Th. Schmidt und Eßlinger Zeitung - am Nachmittag noch eine Sondervorstellung einschieben.

Des Dichters junge Jahre

Überall in der Region finden in diesen Tagen Schiller-Veranstaltungen statt - eine der reizvollsten lockte gestern Abend mehr als 400 Besucher in den ausverkauften Traumpalast, wo sich alles um den jungen Dichter drehte: Zunächst las Friedrich Dieckmann aus seinem Buch "Diesen Kuss der ganzen Welt - Der junge Mann Schiller", dann stellte Horst Jaedicke Curt Goetz' Stummfilm "Friedrich Schiller. Eine Dichterjugend" vor. Horst Jaedicke war bereits nachmittags im Traumpalast zu Gast, weil die große Nachfrage nach Karten für Curt Goetz' 1923 in Stuttgart gedrehtes Schiller-Porträt eine Zusatzvorstellung nötig gemacht hatte.

In seiner nachmittäglichen Einführung berichtete der einstige SDR-Programmdirektor über die Geschichte des Films, seine Entstehung und seine Wiederentdeckung. Und das Publikum war begeistert - trotz einer kleinen technischen Panne gegen Ende der Filmvorstellung. Ohne Jaedickes Spürsinn würde dieser ungewöhnliche Schiller-Film wohl noch immer in den Archiven des Münchner Stadtmuseums verstauben. Denn Curt Goetz' erste Regiearbeit galt lange Zeit als verschollen - erst bei den Recherchen für eine Biographie war Horst Jaedicke dieser cineastischen Rarität in der Fülle der Filmproduktionen der Stummfilmzeit wieder auf die Spur gekommen. Ein bisschen mag es auch den passionierten Goetz-Kenner Jaedicke überrascht haben, dass sich der Schauspieler und Autor, dessen Namen die meisten eher mit leichter Kino-Kost wie "Hokuspokus" oder "Das Haus in Montevideo" in Verbindung bringen, mit seiner ersten Regiearbeit ausgerechnet an Friedrich Schiller herangewagt hat. Doch Horst Jaedicke hat "seinen" Curt Goetz beim Betrachten des Films auf Anhieb wiedererkannt: Die leichte Hand des Regisseurs ist unverkennbar. Es fehlt jedes Pathos, das man bei einem Film über Schiller erwarten würde, die Figuren sind sehr menschlich gezeichnet. Und zwischendurch blitzt auch einmal der augenzwinkernde Witz durch, den man von Goetz kennt.

Lokalkolorit und neuer Sound

Es sind jedoch nicht nur die leichte Hand des Regisseurs und die schauspielerischen Leistungen von Hauptdarstellern wie Theodor Loos (Schiller) oder Egmont Richter (Schubart), die den Film prägen. Es ist auch das unverkennbare Stuttgarter Lokalkolorit, das die Zuschauer schon anlässlich der Premiere 1923 im Stuttgarter Landestheater für "Friedrich Schiller. Eine Dichterjugend" einnahm, wie Jaedicke bei seinen Recherchen mehr als einmal bestätigt fand. Ganz besondere Akzente setzte in der gestrigen Aufführung jedoch die neu komponierte Filmmusik - das Original ist verschollen. "Der Soundtrack ist zunächst für manche vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig", räumte Horst Jaedicke ein, "bei näherem Hinhören aber sehr erhellend für das Verständnis des Films." Den beiden Komponisten, Philipp Noll und Matthias Hermann, gelang es, mit ihrem zeitgemäßen Soundtrack Brücken zwischen Stummfilm-Ära und Gegenwart zu schlagen, was der Vorstellung im Traumpalast eine besondere Note verlieh.

Eine ausführliche Besprechung der Abendveranstaltung "Der junge Schiller in Wort und Film" folgt in unserer morgigen Ausgabe.

Quelle: Esslinger Zeitung, 11. Mai 2005